09.07.2014

PFC-Verseuchung des Grundwassers:

FW-Fraktion fordert konkrete Gegenmaßnahmen

Öffentliche Informationsveranstaltung am 14. Juli in der Badner Halle

Wir erinnern uns: Nach einer verlorenen Schlacht und dem Zusammenbruch Preußens rief der Kommandant der Stadt Berlin den beunruhigten Bürgern seiner Stadt zu, Ruhe sei die erste Bürgerpflicht. Das war vor gut 200 Jahren. Jetzt wird einmal wieder wieder zur Ruhe gemahnt. Grund ist die drohende Verseuchung des Rastatter Trinkwassers durch PFC, wegen der hier schon Brunnen von amtswegen geschlossen werden mussten. Von den Behörden allerdings ist zu hören, „derzeit bestehe keine akute Gefahr“.
Was heißt denn die Amtsfloskel „es bestehe keine akute Gefahr“ übersetzt? Es heißt nicht mehr und nicht weniger als dass keiner tot umfällt, wenn er von dem Wasser trinkt. Über die Langzeitfolgen für unser Grundwasser oder über Gefahren für besonders empfindliche Menschen (Kinder, Kranke, Ältere) werden bewusst keine Aussagen gemacht.
Seitens der Verantwortlichen in Rastatt wurde bisher alles Mögliche getan, um die Verunreinigung des Trinkwassers möglichst genau zu lokalisieren und deren Ausbreitung festzustellen. Gefahr besteht für unser Hauptwasserwerk in Ottersdorf. Schon aus Gründen der Vorsorge muss die Stadt in Vorleistung treten für die Kosten der Analysen, der fachlichen sowie der juristischen Beratung. Verschiedene Szenarien müssen durchgeplant werden, um für den Tag X gerüstet zu sein, wenn die PFC-Fahne das Ottersdorfer Wasserwerk erreichen sollte.
Die Vernetzung mit Wasserwerken in der Region, also der Bezug von Fremdwasser, könnte ein Ausweg sein. Aber dieser wird ausschließlich über einen erhöhten Wasserpreis von uns Bürgern bezahlt werden: Um das (noch) saubere Fremdwasser aus dem Umland nach Rastatt zu bringen müssen neue Leitungen gebaut werden. Das Wasser selbst müssten wir einkaufen.
Möglicherweise würden Aktivkohle-Filteranlagen in Ottersdorf benötigt, samt der kostspieligen Unterhaltung. Alles in allem handelt es sich hierbei um Investitionen im Bereich mehrerer Millionen, die von uns in Rastatt zu stemmen sind. Das Verursacherprinzip würde auf den Kopf gestellt, wenn nicht die Verantwortlichen für die von ihnen verursachten Schäden gerade stehen müssen.
Wir verlangen von den zuständigen Behörden bei solch gravierenden Fällen nicht nur Moderation, Koordination und Beratung, sondern aktives Handeln, so wie es das Wassergesetz vorsieht, damit die Verseuchung so früh wie möglich – nämlich jetzt – gestoppt wird. Unser Grundwasser darf nicht sehenden Auges für Generationen belastet werden.
Ein Bodenaustausch kostet viel Geld. Bei den Aufsichtsbehörden hat man wohl Angst, auf den Kosten sitzen zu bleiben, wenn die Haftungsfrage vorher nicht eindeutig geklärt werden kann. Die Älteren erinnert das alles an den Kampf gegen die Verseuchung durch eine Metallhütte im Industriegebiet. Auch damals ging nach Aussage der Fachbehörden von den Verbrennungsrückständen keine „unmittelbare Gefahr“ aus. Als endlich saniert wurde sprach die Wissenschaft von der schwersten Dioxinverseuchung in Deutschland.
Bequemer scheint es immer zu sein, die Bürger zu beschwichtigen und auf Zeit zu spielen. Dann aber zahlen die Bürger von Rastatt die Zeche. Nicht nur damit, dass ihr Grundwasser verseucht ist, sondern auch damit, dass sie über einen höheren Wasserpreis auch noch zur Kasse gebeten werden. Wer glaubt „die paar Cent pro Kubikmeter“ seien die Aufregung nicht wert, der irrt.
Ruhe ist nicht mehr erste Bürgerpflicht!

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